Von A nach B, von B nach C, von Familie zu Familie, von Stadt zu Stadt, einmal durch Japan

Wer sein Ziel kennt, findet seinen Weg. [Laotse]

Montag, 16. November 2015

Der ganz normale Wahnsinn, ähh ich meine Alltag! :D

Um 7 Uhr klingelt mein Wecker zum ersten Mal. Ich schrecke hoch, schaue verschlafen auf die Uhr und wische den nervigen Ton aus. 'Noch ein paar Minuten' denke ich und kuschle mich noch einmal in meine warme Decke. Gefühlte 5 Minuten später wieder ein Klingeln - 7:30 Uhr. 'Na gut... Auf in einen neuen Tag'. Ich schlage die Decke zurück und krabble von meinem Futon zu meinem großen Fenster, um die Sturmläden aufzuschieben. Sofort blendet mich gleißendes Sonnenlicht und ich kneife die Augen zu. 'Viel zu hell!' denk ich, doch meine Augen gewöhnen sich schnell an die helle Sonne und erblicken einen wunderschönen blauen Himmel. Kleine weiße Wölkchen verleihen dem blau hübsche Kontraste. Ich schiebe auch noch das Glasfenster beiseite und der laue Morgenwind streicht mir über mein Gesicht. Schon jetzt merke ich, dass das wieder ein wunderbarer Tag werden wird. Gepackt von einem freudigen Gefühl, ziehe ich mich schnell an und hüpfe mit einem fröhlichen "Ohayo gozaimasu!" (jap. Guten Morgen) in die Küche. Dort werde ich von meiner Gastmutti Sayaka mit einem Lächeln begrüßt. "Yoku nemuri masu ka?" (jap. Hast du gut geschlafen?") fragt sie mich und ich antworte lächelnd "Hai, yoku namuri masu!" (jap. Ja, ich habe gut geschlafen.). Ich helfe ihr beim Frühstück anrichten. Als der Duft von frischem Kaffee, Tee und Brot durch das kleine Haus weht, werden auch die anderen Bewohner wach. Ko-chan läuft plappernd durch den Flur und Joshuki-kun und Hiro-san kommen verschlafen die Treppe herab.
Doch diese Schlaftrunkenheit ist spätestens nach einer Scheibe Brot mit Honig verschwunden. Alle lächeln, lachen und unterhalten sich. Ich merke, dass ich das Japanisch immer mehr verstehe und es mir leichter fällt, mich zu verständigen. Nach dem Frühstück räume ich fix die Teller zusammen und wasche das Geschirr ab. Danach beginnt der für mich schon fast normale Alltag. Ofen von der Asche des Abends befreien und für den nächsten vorbereiten. Mich nebenbei um Ko-chan kümmern, wenn nötig das Haus säubern und sonst draußen auf dem Feld helfen. Doch auch das Sightseeing soll nicht zu kurz kommen.


Da hat wohl jemand meine Frontkamera entdeckt! :D 





Bestes Wetter mit einer kleinen Auszeit genießen. 



Am Mittwoch wurde unsere Hilfe im Hostel benötigt, da alle Mitarbeiter krank waren! 







Und zur Belohnung gab es einen wundervollen Ausblick über Ise. Ich muss sagen, die Stadt ist nicht groß, vielleicht so wie Jena, aber trotzdem einfach wunderschön!! 






Zum Mittag heute mal etwas Deutsches: Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Den Japanern hat es sehr gemundet und ich war froh, mal wieder etwas Deutsches zu essen. 



Dieses Gebäude habe ich auf meiner Radtour zur Post entdeckt. Was es ist? Keine Ahnung. Ich fand es einfach sehr schön anzusehen. 


Einmal Tori bitte. Dieses riesige Tor steht genau auf halber Stecke zwischen den zwei Hauptschreinen in Ise. Dem Geku (äußerer Schrein) und dem Naiku (innerer Schrein).


Wunderschöne Nebellandschaft. Wären da nur nicht die Autos, Straßen und Oberleitungen.


Was ist denn das? Sieht aus wie Ei, ist aber frittierter Tofu!! Sehr lecker! 



Diese Tofutaschen werden mit Reis gefüllt. Am Anfang etwas schwierig, aber nachdem ich den Dreh raus hatte, ging es einfach und schnell. 


Links die fertigen Sushitaschen und rechts eine kleine Stärkung auf dem Feld. 


Ja, diese Stärkung habe ich wirklich gebraucht!! 


Einmal Vogelperspektive. Hier die Küche von oben, mit der neu gebauten Kindersicherung vor dem Ofen. 



Musik ist Balsam für die Seele!
Gestern Abend durfte ich einem kleinen Konzert beiwohnen. Hier noch der Link zum Youtubekanal, damit ihr euch die Musik selbst anhören könnt.


In diesem Sinne wünsche ich euch eine Gute Nacht und freue mich schon, euch meine weiteren Erlebnisse mitteilen zu können.

Sonntag, 8. November 2015

Geku Schrein - Ise

Heute ging es für mich zum Outer-Schrein, Geku. 


Zu Beginn gleich eine kleine Geschichtsstunde. 
Ich wunderte mich in letzter Zeit häufig, warum diese Reisstrohbündel über den Eingangstüren der Läden oder Häuser hängen. Ich habe heute meine Gastmutti gefragt, was es damit auf sich hat und bekam diese wundervolle Geschichte zu hören: Eines kalten Winterabends kam der Gott Toyouke auf die Erde hinab und suchte in der Stadt Ise einen Platz zum Nächtigen. Er klopfte an zahlreichen Türen, doch keine Familie konnte oder wollte den Gott bei sich aufnehmen. Nach einiger Zeit des Suchens kam er an die Tür der Familie Soming. Diese erwiesen dem Gott die Ehre bei ihnen übernachten zu dürfen und ließen ihn von ihren wenigen Speisen essen. Am nächsten Tag bedankte sich der Gott bei ihnen und segnete die komplette Familie, so dass sie den Rest ihres Lebens von allem Bösen befreit wären. Die Familie hängte daraufhin, als Zeichen dafür, dass sie den Gott immer wieder bei sich aufnehmen würden, diese Reisstrohbündel über ihre Eingangstür. Es gilt als Schutz für Haus und Familie und zeigt dem Gott, dass er hier willkommen ist.  


Doch nun auf zum Geku Schrein. 


"Der Gekū (eigentlicher Name: Toyouke Dai-jingū) soll auf Geheiß von Amaterasu im Jahr 478, dem 22. Regierungsjahr des Yūryaku-tennō, erbaut worden sein. Die Hauptkami dieses Schreins ist Toyouke, eine Nahrungs- und Industrie-Gottheit und wird hauptsächlich mit dem Anbau von Reis assoziiert. Sie wurde dem Mythos nach vor 1.500 Jahren aus der Tanba-Region (nördlicher Teil der heutigen Präfektur Kyōto) auf Bitte von Amaterasu nach Ise gerufen, um dort für diese die Heiligen Mahlzeiten aufzutragen. Die dafür nötige Zeremonie (Higoto-Asayu-Omikesai) soll seit der Gründung des Gekū ohne Ausnahme jeweils morgens und abends durchgeführt worden sein und vollzieht sich sowohl im Gekū wie auch im Naikū in 16 verschiedenen Gebäuden." - Zitat Wikipedia


Der Zugang zu ihm führt über eine Brücke, hier Hiyoke-bashi genannt.


An diesem Becken wird sich, bevor man den Schrein betritt, symbolisch und praktisch gereinigt. Man gießt sich hier, mit den Kellen, Wasser über die Hände und spült seinen Mund aus. Dabei zu beachten  ist, dass die Kelle dabei nicht mit den Lippen in Berührung kommt. Ich habe mir das Wasser zum Beispiel auf die Hand gegossen und es dann in den Mund befördert. Ach ja, nicht Schlucken, sondern wieder ausspucken! Damit wäscht man die schlechten Taten und bösen Worte weg, um den Schrein sauber zu betreten.


Hier werden Amulette und Schutzanhänger verkauft. Glücksbringer und kleine Geschenke sind auch zu erhalten. 


In den folgenden Bildern seht ihr den Hauptschrein des Geku.





Die Bäume auf dem Schreingelände waren einfach riesig!! Im linken Bild könnt ihr, wenn ihr genau hinschaut, eine Frau am Fuße des Giganten sehen. 


Hier noch weitere Schreine. Auf den Bildern kann ich das leider nicht so rüber bringen, aber jeder Schrein oder besser die gesamte Anlage strahlten so eine Magische Atmosphäre aus, dass ich sie hätte mit den Händen greifen können. Einfach wundervoll!





Hier nochmal das gesamte Gelände des Geku.





Ein kleiner Herbstanfang. Immerhin etwas. :D



Entlang der Einkaufsmeile in Ise hingen überall diese wundervollen Laternen. 


Und hier seht ihr nochmal, wie talentiert die Japaner im Herstellen von Plastikessen sind! 
Sieht aus wie echt.

Im Anschluss noch ein paar Bilder des Hostels, welches meine Gastfamilie betreibt. Es ist nur 5 Gehminuten vom Geku Schrein entfernt und liegt in einer ruhigen Seitenstraße. 
Wer also plant, mal eine Nacht in Ise zu verbringen, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Selbst wer nicht japanisch kann, ist hier willkommen. Das komplette Personal spricht sehr gut englisch. Ja, ich habe es getestet.








Zurück bei meiner Gastgeberfamilie gab es lecker Abendessen! 
So gesund wie hier, habe ich mich in Deutschland nicht ernährt. 
Und ich muss sagen, es geht auch ohne Fleisch.